Was ist ein Immobilien-Reel?
Ein Reel ist ein vertikales Kurzvideo zwischen 15 und 90 Sekunden. Hochformat 9:16, schneller Schnitt, Musik im Hintergrund, kurze Texteinblendungen. Für Immobilien gilt die kürzere Variante: 15 bis 30 Sekunden reichen, um ein Objekt zu zeigen, ohne dass der Daumen weiterscrollt.
Der Aufbau ist immer derselbe — drei Phasen, eine Botschaft pro Phase.
- Hook (0–3 Sekunden): Das stärkste Bild der Immobilie. Pool, Penthouse-Blick, Altbau-Stuck, Designerküche — was auch immer den Scroll stoppt.
- Body (3–25 Sekunden): 5 bis 7 Szenen, je 1–2 Sekunden. Außen, Eingang, Wohn-, Schlaf-, Bad-, Küchenbereich, Highlight.
- CTA (letzte 2–3 Sekunden): "Mehr im Profil", "Link in Bio" oder Maklertelefon. Klar, eine Aktion.
Hook-Beispiele für Immobilien
Die ersten drei Sekunden entscheiden alles. Laut den Sichtbarkeitsdaten von Meta brechen mehr als 60 % aller Nutzer ein Reel innerhalb der ersten 3 Sekunden ab, wenn das Eröffnungsbild nicht zieht. Das gilt auch für Immobilien.
Diese fünf Hook-Muster funktionieren im DACH-Markt:
Tür öffnet sich
Aufnahme von der Eingangstür innen, Hand öffnet die Tür langsam, der Blick fällt in den hellsten Raum. Spannung durch Verzögerung.
"180 m² in München für 1.290 €"
Caption als großer Text-Layer auf einem Wide-Shot. Konkrete Zahl, konkrete Stadt, konkrete Miete. Funktioniert bei allem, was unter Marktpreis liegt.
Fenster mit Skyline
Ein Schwenk vom Boden hoch zum Fenster, dahinter die Skyline. Der visuelle Wow-Moment kommt in Sekunde 1. Penthouse, Hochhaus, Hanglage.
Leerer Raum → gestagter Raum
Erste Szene: leerer Raum. Schneller Cut. Gleicher Raum, virtuell möbliert. Der Kontrast zieht den Blick — perfekt für Off-Plan und Erstvermietung.
Designer-Detail extrem nah
Makro-Aufnahme eines Details: Marmorkante, Stuck, Holzboden, Designer-Wasserhahn. Auflösung kommt in Sekunde 2 mit einem Pull-Out auf den ganzen Raum. Funktioniert bei Premium-Objekten und Architektenhäusern.

5–7 Szenen Storyboard — der Standard-Aufbau
Ein Storyboard ist keine Pflicht, aber jeder Reel-Macher, der in der Praxis Reichweite erzeugt, plant die Szenen vorher. Bei 20 Sekunden Laufzeit und 6 Szenen bleiben rund 3 Sekunden pro Szene — kein Raum für Improvisation am Set.
Diese Reihenfolge funktioniert für 80 % aller Wohnobjekte:
- Hook (3 Sek.): Stärkstes Bild — siehe oben, fünf Muster.
- Außenansicht (2 Sek.): Fassade, Hausnummer, Lage. Schafft Kontext.
- Eingang / Flur (2 Sek.): Erste Innenaufnahme, "wir treten ein".
- Wohnzimmer / Hauptraum (3–4 Sek.): Das Herzstück, weitere Schwenks erlaubt.
- Küche (2–3 Sek.): Detail-Shots — Insel, Backofen, Lichtleiste.
- Schlafzimmer / Bad (3 Sek.): Privatbereich, Detail-Aufnahmen.
- Highlight + CTA (2–3 Sek.): Balkon, Garten, Dachterrasse — und der Call-to-Action als Caption.

Apps: CapCut, InShot oder KI-generiert
Drei realistische Optionen für Makler. Jede mit anderem Kompromiss zwischen Zeit und Kontrolle.
| App | Preis | Lernkurve | Stärke | Schwäche |
|---|---|---|---|---|
| CapCut | Kostenlos / Pro 7,99 €/Mo | Mittel — 2–3 Reels | Profi-Effekte, Auto-Captions, riesige Musikbibliothek | TikTok-Eigentümer ByteDance — DSGVO-Bedenken bei sensiblen Inhalten |
| InShot | Kostenlos / Pro 14,99 €/Jahr | Niedrig — erste 30 Min. | Einfaches UI, schnelle Schnitte, Wasserzeichen-Entfernung günstig | Weniger Effekte, kleinere Musikbibliothek |
| ImmoStage (KI) | Im Pro-Plan (199 €/Mo) | Keine — Foto hoch, Video raus | Aus Fotos generiert, virtuelles Staging integriert, DSGVO-konform | Standard-Schnittmuster — kein freies Editing |

Faustregel: CapCut für Makler, die selbst schneiden wollen und einen eigenen Stil entwickeln. InShot für die ersten Reels — die Lernkurve ist flach. ImmoStage, wenn das Objekt leer steht oder Sie keine Lust auf Schnittarbeit haben — die KI baut den Walkthrough automatisch und exportiert das 9:16-Reel direkt.
Plattform-Specs: IG-Reels, TikTok, YouTube Shorts
Jede Plattform hat eigene Limits. Das Schöne: Die Kernspezifikation — 9:16, MP4, H.264 — gilt überall. Unterschiede gibt es bei Länge, Dateigröße und Tonqualität.
| Plattform | Max. Länge | Auflösung | Max. Dateigröße | Audio |
|---|---|---|---|---|
| Instagram Reels | 90 Sek. (Sweet Spot 15–30) | 1080×1920 | 4 GB | AAC, 44,1 kHz |
| TikTok | 10 Min. (Sweet Spot 21–34) | 1080×1920 | 500 MB (Web), 287 MB (App) | AAC, 44,1 kHz |
| YouTube Shorts | 60 Sek. | 1080×1920 | 256 GB | AAC, 48 kHz |
Eine einzige Datei reicht. Wer ein 30-Sekunden-Reel in 1080×1920 als MP4 exportiert, kann dieselbe Datei auf alle drei Plattformen hochladen — ohne erneutes Encoding. ImmoScout24 akzeptiert die Datei zusätzlich als Video-Tag im Inserat (16:9 wäre dort optimal, aber 9:16 wird ebenfalls angezeigt).
Musik und DSGVO — was Makler beachten müssen
Musik: Plattform-Bibliothek nutzen
Innerhalb der jeweiligen App (Instagram, TikTok, CapCut) ist die Musikbibliothek für Business-Konten lizenzkonform nutzbar. Wer Musik aus Spotify oder YouTube extrahiert, riskiert Stummschaltung oder Sperrung des Reels — und im Extremfall eine GEMA-Forderung. Die Faustregel: nutzen Sie ausschließlich die Sounds aus der jeweiligen Plattform-Bibliothek oder lizenzfreie Quellen wie Epidemic Sound oder Artlist (kostenpflichtig, aber sicher).
DSGVO: Personen und Hausnummern unkenntlich machen
Drei Risiken bei Immobilien-Reels:
- Personen im Bild: Mieter, Nachbarn, Passanten — alle benötigen Einwilligung. Lieber leere Räume filmen oder Personen herausschneiden.
- Hausnummer und Klingelschilder: Klingelschilder mit Namen sind personenbezogene Daten. Verpixeln oder anderen Bildausschnitt wählen.
- Inneneinrichtung des Mieters: Bei vermieteten Objekten ist der Mieter Eigentümer der Möbel und Bilder. Ohne schriftliche Erlaubnis nicht filmen.
