Makler oder privat verkaufen: 6,5% sparen oder draufzahlen?

Immobilie mit Makler oder privat verkaufen? Kosten, Aufwand, Risiken im Vergleich - so treffen Sie die richtige Entscheidung.

Makler oder privat verkaufen? Die ehrliche Analyse

Die Maklerfrage spaltet Verkäufer: Die einen schwören auf professionelle Unterstützung, die anderen auf die gesparte Provision. Beide haben Recht - je nach Situation. Dieser Leitfaden hilft Ihnen, die richtige Entscheidung zu treffen.

Die harten Zahlen

Maklerprovision aktuell

Seit Dezember 2020 gilt das neue Provisionsrecht für Wohnimmobilien:

Regelung:
  • Wenn der Verkäufer den Makler beauftragt, zahlt er mindestens 50% der Provision
  • Üblich: Käufer und Verkäufer teilen sich 50/50
Typische Provisionen:
BundeslandGesamtprovisionVerkäuferanteil
Bayern7,14% inkl. MwSt.3,57%
NRW7,14% inkl. MwSt.3,57%
Berlin7,14% inkl. MwSt.3,57%
Hamburg6,25% inkl. MwSt.3,125%

Beispielrechnung

Bei einem Verkaufspreis von 500.000€:
PositionMit MaklerOhne Makler
Maklerprovision (Ihr Anteil)17.850€0€
Professionelle Fotos(inkl.)300€
Virtuelles Staging(inkl.)300€
Exposé-Erstellung(inkl.)100€
Portal-Anzeigen (3 Monate)(inkl.)500€
Eigene Zeit (Stunden × 50€)5h = 250€60h = 3.000€
Gesamtkosten~18.100€~4.200€
Ersparnis-~13.900€
Die Ersparnis ist erheblich - aber nur, wenn Sie selbst effizient arbeiten.

Vor- und Nachteile im Vergleich

Mit Makler verkaufen

Vorteile:
VorteilErläuterung
ZeitersparnisMakler übernimmt Vermarktung und Besichtigungen
MarktkenntnisRealistische Preiseinschätzung
KäufernetzwerkZugriff auf vorgemerkte Interessenten
VerhandlungsgeschickProfessionelle Preisverhandlung
RechtssicherheitErfahrung mit Vertragsabwicklung
Emotionale DistanzSachliche Verkaufsführung
Nachteile:
NachteilErläuterung
Hohe Kosten3-4% des Verkaufspreises
AbhängigkeitQualität variiert stark
InteressenkonfliktSchneller Verkauf vs. bester Preis
KontrollverlustWeniger Einfluss auf Details

Privat verkaufen

Vorteile:
VorteilErläuterung
ProvisionsersparnisMehrere tausend bis zehntausend Euro
Volle KontrolleJede Entscheidung selbst treffen
Direkter KontaktKäufer kennenlernen, Sympathie
FlexibilitätZeitpunkt und Art der Vermarktung frei wählbar
Nachteile:
NachteilErläuterung
Zeitaufwand40-80 Stunden Eigenarbeit
Fehlende MarktkenntnisRisiko falscher Preissetzung
Emotionale BelastungEigenes Zuhause verhandeln
Rechtliche RisikenKeine professionelle Absicherung
Weniger ReichweiteKein Interessenten-Netzwerk

Der Entscheidungsbaum

Wann ein Makler sinnvoll ist

Empfohlen bei:
  • ❑ Wenig Zeit für den Verkauf
  • ❑ Keine Erfahrung mit Immobilienverkauf
  • ❑ Komplizierte Situation (Erbschaft, Scheidung, Vermietung)
  • ❑ Premium-Immobilie (>1 Mio. €)
  • ❑ Schwieriger Markt oder Lage
  • ❑ Emotionale Bindung zur Immobilie
  • ❑ Entfernung zum Objekt (Sie wohnen weit weg)

Wann privater Verkauf funktioniert

Geeignet bei:
  • ❑ Zeit und Motivation vorhanden
  • ❑ Standard-Objekt in guter Lage
  • ❑ Erfahrung mit Verhandlungen
  • ❑ Technische Affinität (Portale, Fotos)
  • ❑ Emotionale Distanz möglich
  • ❑ Gutes Netzwerk (potenzielle Käufer im Umfeld)

Der Privatverkauf: So geht's richtig

Schritt 1: Wertermittlung

Ohne Makler müssen Sie selbst bewerten:
  • ImmoScout24 Preisatlas
  • Vergleichsobjekte recherchieren
  • Bodenrichtwerte einholen
  • Ggf. Sachverständigengutachten (500-1.500€)
Typische Fehler:
  • Zu hoher Ansatz (Objekt brennt ab)
  • Zu niedriger Ansatz (Geld verschenkt)

Schritt 2: Unterlagen sammeln

Vollständige Unterlagen-Checkliste:
  • Energieausweis (Pflicht!)
  • Grundbuchauszug
  • Grundrisse
  • Wohnflächenberechnung

Schritt 3: Präsentation

Professionell ohne Makler:

Schritt 4: Vermarktung

Online-Portale:
  • ImmoScout24 (ab 350€/Monat für Private)
  • Immowelt (ab 200€/Monat)
  • eBay Kleinanzeigen (kostenlos)
  • Facebook Marketplace (kostenlos)
Reichweite optimieren:
  • Gute Fotos = mehr Klicks
  • Vollständige Angaben = weniger Rückfragen
  • Realistischer Preis = qualifizierte Anfragen

Schritt 5: Besichtigungen

Vorbereitung:
  • Termine gut verteilen (max. 3-4 pro Tag)
  • Unterlagen bereithalten
  • Objekt in bestem Zustand
Durchführung:
  • Freundlich, aber nicht überverkaufen
  • Fragen ehrlich beantworten
  • Notizen zu Interessenten machen

Schritt 6: Verhandlung

Tipps:
  • Preisspanne vorher festlegen
  • Nicht unter Druck setzen lassen
  • Finanzierungszusage verlangen
  • Käufer prüfen (Schufa?)

Schritt 7: Notartermin

Alles zum Notar:
  • Notar wählen (gemeinsam mit Käufer)
  • Vertragsentwurf prüfen
  • Beurkundung und Abwicklung

Die Hybridlösung: Makler mit reduzierter Provision

Optionen

  • Festpreis-Makler: Pauschale statt Prozent (z.B. 5.000€ statt 3,5%)
  • Teil-Service: Nur Vermarktung, Besichtigungen selbst
  • Online-Makler: Digitale Services, reduzierte Kosten
  • Verhandlung: Bei Exklusivauftrag Provision verhandeln

Vorsicht bei Billig-Angeboten

  • Leistungsumfang genau prüfen
  • Versteckte Kosten?
  • Qualität der Arbeit?
  • Wer macht Besichtigungen?

Ehrliche Selbsteinschätzung

Zeitaufwand realistisch

Aufgaben beim Privatverkauf:
AufgabeZeitaufwand
Wertermittlung5-10 Stunden
Unterlagen beschaffen10-15 Stunden
Fotos und Exposé5-10 Stunden
Anzeigen schalten3-5 Stunden
Anfragen beantworten10-20 Stunden
Besichtigungen (10×2h)20 Stunden
Verhandlungen5-10 Stunden
Notar-Vorbereitung5 Stunden
Gesamt60-100 Stunden

Können Sie das leisten?

Fragen Sie sich:
  • Kann ich tagsüber für Besichtigungen verfügbar sein?
  • Halte ich unangenehme Verhandlungen aus?
  • Kann ich mein Zuhause objektiv präsentieren?
  • Habe ich die nächsten 3-6 Monate Zeit?

Die Maklerauswahl

Wenn Sie sich für einen Makler entscheiden

Kriterien:
  • Lokale Marktkenntnis
  • Referenzen (Bewertungen prüfen)
  • Vermarktungsstrategie
  • Kommunikation
  • Provision (verhandelbar?)
Fragen an den Makler:
  • Wie viele Objekte in meiner Gegend haben Sie verkauft?
  • Wie lange dauert ein Verkauf typischerweise?
  • Welche Vermarktungskanäle nutzen Sie?
  • Wie oft informieren Sie mich?
  • Was passiert, wenn es nicht klappt?

Vertragsarten

VertragsartBedeutungEmpfehlung
Einfacher AuftragMehrere Makler parallelWenig Motivation des Maklers
AlleinauftragEin Makler, Sie dürfen selbst suchenGuter Kompromiss
Qualifizierter AlleinauftragNur der Makler darf verkaufenHöchste Motivation, weniger Flexibilität

Häufig gestellte Fragen

Kann ich die Maklerprovision auf den Käufer umlegen?
Nicht mehr vollständig. Seit 2020 muss der Verkäufer mindestens 50% tragen, wenn er den Makler beauftragt hat. Eine andere Aufteilung ist nur möglich, wenn der Käufer den Makler separat beauftragt.
Wann muss ich den Makler bezahlen?
Die Provision wird fällig, wenn der notarielle Kaufvertrag geschlossen wurde und Sie den Kaufpreis erhalten haben. Vorher können Sie nichts verlangen - aber der Makler auch nicht.
Kann ich aus dem Maklervertrag aussteigen?
Bei befristeten Verträgen: nach Ablauf. Bei unbefristeten: mit Kündigungsfrist (meist 3 Monate). Vorzeitige Kündigung nur bei wichtigem Grund (z.B. massive Pflichtverletzung). Alleinaufträge haben oft eine Mindestlaufzeit.
Verkaufe ich privat wirklich zum gleichen Preis?
Nicht automatisch. Studien zeigen gemischte Ergebnisse. Professionelle Vermarktung (gute Fotos, Staging) ist wichtiger als die Makler-Frage. Mit den richtigen Tools können Privatverkäufer gleichwertige Ergebnisse erzielen.
Was ist mit Makler-Garantien wie 'Kein Verkauf = keine Kosten'?
Standard bei erfolgsabhängiger Provision (Courtage). Aber Vorsicht: Bei schlechtem Makler verkaufen Sie vielleicht unter Wert oder gar nicht. 'Keine Kosten' bedeutet nicht 'kein Schaden'.

Fazit: Wann was passt

SituationEmpfehlung
Einfaches Objekt, gute Lage, Zeit vorhandenPrivat verkaufen
Premium-Objekt, wenig Zeit, komplexe SituationMakler beauftragen
Standardobjekt, etwas Zeit, KostenoptimierungHybridlösung prüfen

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Eugen Görtz — Gründer von ImmoStage
Verfasst von

Eugen Görtz

Gründer & Geschäftsführer, ImmoStage

Eugen Görtz ist Gründer von ImmoStage. Vor der Gründung war er über 10 Jahre als Abteilungsleiter in einem Industrieunternehmen tätig — mit Verantwortung für Prozessoptimierung, Teamführung und Digitalisierung. Diese operative Erfahrung fließt direkt in die Produktentwicklung von ImmoStage ein: pragmatische Lösungen, die im Makler-Alltag funktionieren.

10+ Jahre Abteilungsleiter in der IndustrieGründer von ImmoStage (2024)Fokus: KI-Staging für DACH-MaklerDSGVO & EU-Compliance
LinkedIn Profil
Veröffentlicht: 6. Februar 2026
Aktualisiert: 17. Februar 2026
Lesezeit: 5 Min.

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